Fasernessel
Urtica dioica L.; Familie der Brennnesselgewächse Urticaceae
Merkmale
Die Fasernessel, als Wildkraut "Große Brennnessel" genannt, ist eine mehrjährige heimische Pflanze. Der vierkantige Stängel wird bis zu 2 m hoch und setzt sich unter der Erde als Rhizom, d.h. bewurzelter Spross fort. Die gekreuzt-gegenständigen, eiförmigen, am Rand grob gesägten Blätter und der Stängel tragen Brennhaare. Die Fasernessel ist zweihäusig, d.h. die Blütenzweige haben entweder männliche oder weibliche Blüten, die unscheinbar grün rispenartig in den Blattachseln sitzen.
Kulturgeschichtlicher Hintergrund
Die Fasernessel ist weltweit in gemäßigten Klimazonen verbreitet und als kulturfolgendes Wildkraut und Arzneipflanze bekannt. Im Mittelalter verarbeiteten die Menschen die langen festen Fasern zu Tauen, Schnüren und Fischernetzen oder zu Nesselstoff. Die Nutzung der Baumwolle ab dem 18. Jahrhundert verdrängte die Fasernessel bei der Herstellung von Textilien, sie wurde jedoch während der Zeit der beiden Weltkriege als heimischer Rohstoff wieder entdeckt, da sie mit den für Baumwolle vorgesehenen Maschinen zu verarbeiten war. Die Fasernessel wird zurzeit nur als Heil- und Gewürzpflanze genutzt.
Anbau
Die Fasernessel ist außerordentlich anspruchslos. Dennoch sind nährstoffreiche Standorte mit guter Wasserversorgung von Vorteil. Sowohl die Aussaat als auch die Pflanzung von Jungpflanzen ist möglich. Gemäht wird zum Ende der Blüte im Juli/August, wobei Erträge von 45-70 dt/ha mit einem Fasergehalt von nur 15 % erzielt werden. Zur Zeit werden faserreichere Sorten untersucht. Die mehrjährige Fasernessel kann extensiv angebaut und bis zu zehn Jahre beerntet werden. Der Anbau befindet sich mit wenigen Hektar im Versuchsstadium.

