Faserpflanzen
Für die Faserproduktion kommen unter den Standortbedingungen in Deutschland nur Faserlein, Hanf, Fasernessel und in wärmeren Gebieten Kenaf in Frage. Herkömmliche Anbaugebiete sind Thüringen, Württemberg, Westfalen, Mecklenburg, Oberbayern, Baden-Elsass, Mitteldeutschland (Hanf und Faserlein).
Kulturgeschichtlicher Hintergrund
Pflanzenfasern dienen traditionell der Herstellung von Textilien. Mit dem Aufkommen synthetischer Fasern ging ihr Anbau jedoch stark zurück. In Deutschland haben heute Faserlein und Hanf wieder eine gewisse Bedeutung.
Der Rohstoff
Grundlage der Nutzung sind die in den Stängeln enthaltenen Bastfasern. Je nach Aufbereitung nutzt man sie als Lang- oder Kurzfasern. Die für den Faserlein klassische Aufbereitung besteht aus der Tauröste und dem "Schwingen". Bei der Tauröste werden die mit einer Raufmaschine aus dem Boden gezogenen Pflanzen auf dem Feld ausgebreitet. Pilze und Bakterien legen im Lauf einiger Wochen die Fasern frei. Zu Röststroh getrocknet kommt der Flachs in die Schwinganlage, die Holzteile (Schäben) von den Fasern löst und lange von kurzen Fasern trennt. Das Schwingen ist Voraussetzung für die Gewinnung von Langfasern für Textilien. Benötigt man nur Kurzfasern, reicht eine mechanische Bearbeitung der Faserpflanzen aus.
Bedeutung
Während Naturfasern für die Textilindustrie und die Zellstoffherstellung traditionell wichtige Rohstoffe sind, erschlossen sich Kurzfasern in den letzten Jahren mit Verbundwerkstoffen für die Automobilindustrie und mit Dämmstoffen ganz neue Anwendungsbereiche. So konnten 2005 bereits wieder 204.000 Tonnen Naturfasern verarbeitet werden.
Verwendung
Langfasern
- Textilien
- Netze, Seile
Kurzfasern
- Baustoffe (Platten, Putz, Dämmstoffe, Vliesstoffe)
- Naturfaserverstärkte Werkstoffe
- Autoindustrie (Formpressteile, Reibbeläge)
- Papier (Verpackungsmaterial, Filtermaterial, Banknoten, Zigarettenpapier)
Schäben
- Einstreu
- Energienutzung

