Wurzeldrogen
Arzneipflanzen, aus deren Wurzeln, Rhizomen u.a. Drogen gewonnen werden können, werden unter der Bezeichnung Wurzeldrogen zusammengefasst. Das Hauptproblem stellen derzeit Ernte und Aufbereitung dar, die in der Regel nur mit Spezialgeräten möglich sind. Größere Bedeutung unter den Wurzeldrogen hat neben dem Baldrian der Gelbe Enzian, dessen Anbaufläche 1995 in Bayern 15 Hektar betrug.
Gelber Enzian
Gentiana lutea L.; Familie der Enziangewächse Gentianaceae
Merkmale
Der Gelbe Enzian enthält 3% Gentiopikrin und 0,2% Amarogentin. Die mehrjährige bis 1,5 m hohe Pflanze besitzt ein rübenähnliches, oft mehrere Kilogramm schweres Rhizom. Charakteristisch ist der gelbgrüne Blütenspross mit gegenständigen länglich-elliptischen blaugrünen stängelumgreifenden Laubblättern, die bis 30 cm lang und 15 cm breit werden. Ab einer Höhe von 80 cm entwickelt der Gelbe Enzian nach mehreren Jahren in den Blattachseln der schalenförmigen Laubblätter von Juni bis August gelbe Trugdolden, die von drei bis zehn fünf- bis sechsteiligen Blüten gebildet werden.
Kulturgeschichtlicher Hintergrund
Die Alpenländer sind das Verbreitungsgebiet des Gelben Enzians, dessen Wurzelstock seit dem Altertum als Pestmittel und Universalmedizin angewandt wird, z.B. gegen Leberleiden, Magenkrankheiten, Krämpfe, Würmer und den Biss giftiger Tiere. Weiterhin wird die Wurzel zu Enzian-Schnaps angesetzt.
Anbau
Die Pflanzung erfolgt auf humus- und kalkreichen Böden im Frühjahr. Nach vier bis fünf Jahren werden die Rhizome ausgepflügt, anschließend gewaschen und getrocknet. Die Erträge liegen bei ca. 75 dt pro Hektar.

