Arzneipflanzen
Der feldmäßige Anbau von Arzneipflanzen stellt in Deutschland einen kleinen, aber durchaus interessanten Bereich der Landwirtschaft dar. Dennoch kommen nur 10% der in Deutschland verwendeten Arzneipflanzen aus heimischem Anbau. Der Großteil wird nach wie vor importiert und stammt nur zu 30% aus Anbau und zu 70% aus Wildsammlungen. Ein Vertragsanbau für Arzneipflanzen könnte zur Sicherung des Angebots durchaus attraktiv sein. Von den ca. 440 einheimischen Arzneipflanzen in Deutschland werden ca. 75 Arten angebaut, wobei 24 Arten 92% des Anbaus ausmachen. Bevorzugte Anbaugebiete für Arzneipflanzen sind Bayern (Oberbayern, Erdinger Moos, Mittelfranken), Sachsen (Lößgebiete Mittelsachsens), Thüringen (Erfurter Becken), Sachsen-Anhalt (Mitteldeutsches Trockengebiet) und Ostfriesland.
Kulturgeschichtlicher Hintergrund
Die Nutzung von aus der Natur gesammelten Arzneipflanzen geht bis zu den Ursprüngen der Menschheit zurück. In Europa wurden Heilpflanzen in den Klostergärten angebaut, im 9. Jahrhundert verordnete Karl der Große mit der "Capitulare de villis" auf seinen Landgütern den Anbau von 70 Heilpflanzen. Mit ca. 10.000 ha Heil- und Gewürzpflanzen erreicht der Anbau in Deutschland heute wieder Größenordnungen, wie sie zuletzt in den 1940er Jahren erfasst wurden.
Der Rohstoff
Arzneipflanzen enthalten in einem oder in mehreren ihrer Organe - Wurzeln, Blättern, Blüten, Samen etc. - Substanzen, die für therapeutische Zwecke verwendet werden oder die Vorstufen für pharmazeutisch-chemische Halbsynthesen darstellen. Die Gesamtheit der verwertbaren Inhaltsstoffe, die therapeutischen Zwecken dient, wird als Droge bezeichnet; je nach Herkunft werden Wurzeldrogen, Blatt- oder Krautdrogen, Blütendrogen und Frucht- bzw. Samendrogen unterschieden.
Bedeutung Gründe für den wachsenden Anbau von Arzneipflanzen sind das steigende Umweltbewusstsein mit einer Rückbesinnung auf natürliche Arzneimittel, ein gestiegenes Qualitätsbewusstsein mit entsprechend hohem Kontrollaufwand und das Verbot des Wildsammelns von unter Naturschutz stehenden Arzneipflanzen.
Verwendung
- Salben (z. B. aus Ringelblumenblüten bei Wunden/Sonnenbrand)
- Tee (z.B. aus Kamillenblüten bei Entzündungen)
- Öl (z.B. aus Nachtkerzensamen bei Bluthochdruck)
- Extrakte (z.B. aus Herbstzeitlosen-Knollen bei Gicht)

